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Grundideen des Equilibrismus

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Es gibt viele Organisationen, die sich für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen einsetzen. Die einen schützen Tiere, die anderen Pflanzen, wieder andere kämpfen für die Einhaltung der Menschenrechte. Einige Organisationen prangern das ungerechte kapitalistische Wirtschaftssystem an und fordern eine neue Geldordnung.



Interview über Konzept & Tahiti-Projekt mit Initiator Eric Bihl am 23.04.2010 bei DRadio Wissen - als Podcast online
Roti Make, Koordinatorin in Französisch Polynesien, und Eric Bihl im Gespräch mit der taz am 19.03.2010


 

Das Problem all dieser Initiativen: Sie befassen sich jeweils mit Teilbereichen, die aber in ihrer Kausalität mit den anderen Bereichen untrennbar verbunden sind. Der Equilibrismus bietet ein Konzept, das sich übergreifend mit den wichtigsten Problembereichen beschäftigt.

Diese Bereiche lassen sich als vier Eckpfeiler darstellen, die in gegenseitigen abhängigen Wechselbeziehungen stehen:

1. Ökoalternativen sowie Effizienz- und Strukturneugestaltung
2. Natürliches Kreislaufwirtschaftssystem
3. Nachhaltige Geld- und Bodenordnung
4. Weltbürgertum

Um zu zeigen, wie diese Bereiche voneinander abhängen, liegt der Vergleich mit den Funktionen des menschlichen Körpers nahe, der selbst ein perfektes System integrierter Systeme ist:

1. entspricht den Organen mit ihren vielfältigen, aufeinander abgestimmten Aufgaben
2. ist das Skelett, das die Struktur vorgibt
3. hierfür steht das Blut, das alle Bereiche versorgt
4. ist die zusammenhaltende, schützende Haut

Und so wie alle Teile des Körpers gleich wichtig sind und nicht einer auf Kosten der anderen ungebremst wachsen darf, darf weder die ökonomische Betätigung des Menschen Vorrang vor seinen anderen Bedürfnissen erhalten, noch die Inanspruchnahme der natürlichen Ressourcen durch eine Spezies ständige Zuwachsraten aufweisen.

Der Equilibrismus will an fehlerhaften Systemen nicht herumbasteln, sondern sie durch Rückbesinnung auf die jeweiligen Grundfragen völlig erneuern; insofern ist er radikal, weil er an die Wurzeln geht. Gleichzeitig werden neue Rahmenbedingungen festgelegt. Für diese gilt als Maßstab, dass sie sich im Einklang mit der Natur befinden. Dazu gehört z. B., dass alles, was der Natur entnommen wird, ihr auch wieder zurückgeführt werden muss, um im Kreislauf zu verbleiben.

Wir Equilibristen meinen, dass das Werk der Evolution insgesamt gut war, und wir möchten unser Handeln darauf ausrichten, ihr möglichst wenig in ihr Handwerk zu pfuschen. Innerhalb der gemächlichen Fortentwicklung der Evolution gibt es für den Menschen immer noch genügend Handlungsspielräume für echten "Fortschritt", in dem auch das Bestehende noch Platz hat.